Gute Vorsätze für das Gartenjahr

15. Dezember 2012

Ich geb’s zu, ich bin bereits ein wenig ungeduldig. Im Herbst noch hatte ich mich müde in die Garten-Winterruhe geschleppt, froh darum, dass die Vegetation in unserer Breite auch einmal Pause macht. Das letzte Garten-Projekt, eine Trockensteinmauer, war nicht mehr ganz fertig geworden. Es war mir egal, ich winterte ein und vergass die Mauer.

Und jetzt, obwohl noch immer Winter, fängt es wieder an. Diese Vorfreude, diese Neugier, dieses kaum warten können, bis man die Gummistiefel wieder montieren kann. Wie jedes Jahr habe ich mir ein paar Dinge vorgenommen, die ich in der neuen Saison nun wirklich umsetzen möchte. Vorsätze für den Garten.

Dieses Jahr zum Beispiel möchte ich nichts verpassen. Keine Knospe unbeachtet lassen, die Frühlings-Platterbse nicht erst entdecken, wenn sie schon verblüht ist. Mehr darauf achten, was das Wetter macht und wie es das Wachstum von Gemüse und Blumen beeinflusst. Frühling, Sommer, Herbst mit allen dazugehörenden Eigenschaften miterleben. Damit ich lerne, die Zusammenhänge im Gartenreich besser zu verstehen und am Ende eines Gartenjahres auch erklären kann, wieso nun der Lauch dieses Jahr nicht so kräftige Stängel machte wie das Jahr zuvor (obwohl er doch scheinbar alles bekam, was er sich wünscht). Meine Nachbarinnen können das, sie gärtnern seit Jahrzehnten. Nicht dass sie alles wüssten – auch sie stehen manchmal gewissen Phänomenen mit Fragezeichen gegenüber. Doch die Momente totaler Ratlosigkeit werden mit jedem Gartenjahr weniger. Dies ist der Lohn jahrelanger Aufmerk- samkeit den Pflanzen, Tieren und Wetterkapriolen gegenüber. Deshalb gilt für dieses Jahr: Nichts verpassen! Und alles Wichtige ins Garten-Tagebuch notieren.

Damit ist der Vorsätze nicht genug. Ich nehme mir zum Beispiel auch vor, die Gartengeräte nach jedem Gebrauch in den Schuppen zu stellen und nicht irgendwo stehen zu lassen. Wie oft habe ich schon den Garten nach einem Schäufelchen oder anderem Werkzeug abgesucht und mich dabei ein wenig geärgert, dass ich das Ding wohl im Zuge einer Ideen-Attacke irgendwo habe liegen lassen. Bestimmt war die Zeit etwas knapp, die Idee jedoch wollte umgesetzt werden, und fürs Aufräumen hatte es am Ende nicht mehr gereicht.

Es gibt noch einen dritten Vorsatz: Die Winden in diesem Jahr immer früh genug ausreissen. Vielleicht einen wöchentlichen Winden-Durchgang einplanen. Gezielt mit wachem Auge die Staudenbeete und Hecken entlang gehen und alles, was sich schlangenartig um Büsche und Blumen schlingt, sofort ausrupfen. Nicht dass ich den Winden ihren Erfolg im Pflanzenreich nicht grundsätzlich gönne. Ihre Leistung ist eigentlich bewundernswert: In zwei Stunden schafft sie eine Umdrehung um einen Pflanzenstängel. Trotzdem ist mir ihre Wuchsfreudigkeit zu viel. Vielleicht schaffe ich es dieses Jahr, mich wöchentlich der Winde zu widmen. Als Vorsatz steht es auf jeden Fall schon einmal auf der Liste.

Und zu guter Letzt habe ich den Genuss- Vorsatz. Es gibt da so ein wunderbares Plätzchen gleich neben dem Teich. Leicht erhöht, sodass man das Geschehen über dem und am Wasser beobachten kann.

Auch im Geäst der Silberpappel, die am Rande dieser schönen Ecke steht, gibt es immer einiges zu sehen. Dem Kleiber kann man hier zuschauen, wie er kopfüber am Stamm auf und abgeht und in der Rinde nach Insekten sucht. Doch viel zu oft stehen die Stühle unbenutzt da. Vielleicht gelingt es mir im neuen Gartenjahr wenigstens diesem Vorsatz genügend Beachtung zu schenken. Dann ist Vorsatz Nummer eins auch gleich erfüllt, weil wer sitzt und beobachtet, der erkennt, versteht und lernt.

Die anderen beiden Vorsätze, ich geb’s zu, sind mir eigentlich nicht überaus wichtig. Natürlich sind verschollene Gartenwerkzeuge und dominante Winden lästige Angelegenheiten. Aber irgendwie schaffen es die zwei Vorsätze auf der Prioritätenliste nie ganz nach oben, weshalb sie jedes Jahr wieder von Neuem gesetzt werden. Das Schönste am Garten ist sowieso, dass es nie zu spät ist. Und nicht nur der Jahresanfang, sondern jeder Tag die Chance birgt, neu anzufangen.

Sarah Fasolin